Farbmorphe Neolamprologus leleupi

  • Hi Rene,

    dass sich die Standortvarianten im See normalerweise nicht über den Weg schwimmen, ist klar, aber denkst du nicht, dass sich WF mit Fx EINER Variante ohne Probleme verpaaren, wenn das sogar mit unterschiedlichen Standortvarianten passiert, die schon DEUTLICH länger räumlich getrennt sind? Darum kann ich deine oben genannte These absolut nicht nachvollziehen.


    Grüße


    Joe

    „Im übrigen gilt ... derjenige, der auf den Schmutz hinweist, für viel gefährlicher als der, der den Schmutz macht“ (Kurt Tucholsky)

  • Man muss bedenken, dass sich die Bedingungen in auch noch so großen Aquarien leider niemals mit den natürlichen Bedingungen im See vergleichen lassen.

    Die Theorie zur Artbildung die ich oben vorgestellt habe bezieht sich ausschließlich auf die Entwicklung und Verbreitung der Arten im See, die Ichthiologen und Evolutionsforscher wollen ja nicht herausfinden wie sich Arten in Aquarien entwickeln, sondern im natürlichen Lebensraum. Theorien zur Artbildung in Aquarien gibt es nach meiner Kenntnis nicht. Die dafür nötige Isolierung einzelner Tiere vom Rest der Gruppe könnte ja auch nur künstlich also durch Umsetzen in ein anderes Becken erfolgen.

    Die von dir völlig zu recht beschriebenen, teilweise ungewollten Paarungen kommen deshalb nach allem was ich bisher gehört und gelesen habe so gut wie ausschließlich unter den künstlichen Bedingungen der Aquarien dieser Welt vor, nicht oder vielleicht nur sehr selten im natürlichen Lebensraum. Sonst hätten sich keine stabile Arten im See entwickeln können. Deshalb hat auch jeder Aquarianer die Verantwortung dafür, welche Arten er im Aquarium vergesellschaftet und welche Arten besser nicht.
    Wir reden also vermutlich über zwei verschiedene Welten: Du mehr über die Bedingungen im Aquarium, der von mir vorgestellte Gründereffekt über die Vorgänge im See. Aus rein aquaristischer Sicht gebe ich dir zu 100% recht!

    Gruß, René

  • explosive_artbildung_buntbarsche.pdf


    Hallo zusammen,
    ich hoffe, das mit dem Einfügen des Links hat funktioniert, habe ich jetzt hier im Forum zum ersten Mal gemacht. Falls nicht wäre es super wenn ihr mir kurz erklären könntet wie das optimal funktioniert.

    Diesen Beitrag finde ich sehr interessant, vielleicht auch für den einen oder anderen im Forum. Man muss auch nicht unbedingt alle 18 Seiten lesen.

    Auf den S. 3-7 wird wieder auf den bereits erläuterten Gründereffekt (Artbildung durch Mutation u. Isolation/Separation z.B. durch sinkende Wasserstände im See, Vulkanausbrüche,...) eingegangen.

    Die S. 11-13 dürften auch sehr interessant sein, vor allem die Seite mit den relativ großen Ähnlichkeiten zw. Tanganjika- u. Malawicichliden und den Erfolgsfaktoren für die rasche und flächendeckende Verbreitung der Cichliden in den ostafrikanischen Seen.

    Ab S. 14 erläutert der Autor (Diplom-Geologe), dass der Gründereffekt in der Wissenschaft von eher langsamer Artbildung ausgeht, in den ostafrikanischen Seen vollzieht sich diese aber wahrscheinlich schon über wenige Generationen. Deswegen gibt es auch Forscher die davon ausgehen, dass Cichliden schon quasi von Geburt an über genetische Anpassungspotentiale verfügen, die in Verbindung mit einem neuen Lebensraum (Mutationsdruck) rasch zur Bildung neuer Arten führen. Das ist zwar nicht die gängige Lehrmeinung aber trotzdem interessant, zumal es aus meiner Sicht noch keine andere überzeugende Erklärung für die extrem schnelle Artbildung gibt.

    Vielleicht ist der Beitrag im link ja für einige hier neu und interessant, schönes Wochenende, Gruß, René

  • Der Link funktioniert :thumbup:


    Hab ich schon gelesen, wie viele hier vermutlich auch schon.

    Viele aber vielleicht auch noch nicht.


    Zusammenfassend : Genaues weis man noch nicht :laughoutloud:

    Aber hoch Interessant. Keine Frage.

    Gruß Reiner


    P.S. Es gibt Selbsthilfegruppen für Menschen die mit mir zu tun haben

  • Hallo René

    Vielen Dank für den Link 👍🏼
    Aufgrund der Literaturangaben dürfte der Artikel wohl ca. 15 Jahre alt sein. Zwischenzeitlich dürften auch wieder neue, andere oder differenziertere Erkenntnisse hinzu gekommen sein, u.a. durch die Forschung, welche an der Universität Basel betrieben wird.
    Hier ein ganz aktueller Link zur Info, auch wenn damit die hier im Raum stehenden Fragen nicht beantwortet werden. Was ich einfach sagen möchte: Es wird viel und breit geforscht, um der Evolution der Tanganjika-Cichliden auf die Spur zu kommen 🧐

    Und dank modernster, computergestützter Methoden, wurde auch bereits Einiges herausgefunden.


    Explosive-Artbildung-bei-Buntbarschen-im-Tanganjikasee.html

  • Hallo Steffi,

    Ja, 15 Jahre dürfte passen. Zum Glück werden die Methoden der Forscher immer besser und genauer, von jeder heute bekannten Art (ca. 240 aus über 50 Gattungen) je ein Exemplar mit allen heute zur Verfügung stehenden Techniken zu untersuchen wie in deinem Link beschrieben ist ja wieder ein Schritt zum zumindest besseren Verständnis der Artbildung im See.

    Auch Reiners Link in diesem Thread v. 14.11., dass Artbildung durch genetische Tauschnetze begünstigt wird, in denen altes u. neues Erbgut ständig zwischen den Arten ausgetauscht wird, klingt erstmal logisch. Nach dem Motto: Der Lebensraum ändert sich, kein Problem, es sind ja alle genetischen Informationen für eine schnelle Anpassung an diesen bereits vorhanden.

    Für mich ist unterm Strich absolut faszinierend, dass sich aus wahrscheinlich nur 12 Arten aus westafrikanischen Flüssen so eine vielfältige Cichlidenfauna entwickeln konnte und dass die Anpassungen (Mutationen) so zielgerichtet stattfinden konnten.
    Ist ja eigentlich gut, dass längst noch nicht alles dazu erforscht ist, das Thema bleibt also noch lange spannend!

    Danke nochmals für den Link! Gruß, René