Ein Säuresturz im Becken ist bei Weichwasser-Aquarianern (Südamerika) durchaus bekannt und gefürchtet.
Zusammenhänge (vereinfacht):
Hier wird ein Becken bei niedrigem pH und kleiner Karbonathärte betrieben. Das Endprodukt der Nitrifikation, Nitrat, liegt nicht als NO3, sondern als HNO3 (Salpetersäure) vor, die zu H+ und NO3- zerfällt, wodurch die pH-puffernde Karbonathärte 'verbraucht' wird und der pH auf Werte von 4,5 fallen kann.
Doch kann so etwas auch im Tanganjika-Becken mit (idealerweise) einem pH > 7,5 und einer KH > 10° passieren?
Blödsinn, dachte ich immer und habe mir nie Gedanken darüber gemacht. Bis Freitag Abend, als ich auf einem DCG-Treffen einen hochinteressanten Vortrag von Andreas Spreinat zum Thema Filterung gehört habe. Dort berichtete Andreas von einem seiner Becken, hoch besetzt mit Mbunas, in dem er nach längerer Zeit ohne Wasserwechsel einen
pH-Wert von 5,4 und Nitratwerte > 300 mg/l
gemessen hat. Die Fische zeigten keine Auffälligkeiten, fraßen und vermehrten sich unbeeindruckt vom pH-Wert (langsame Gewöhnung an sich ändernde Werte). Und zeigte eindrucksvolle Ergebnisse von Versuchsreihen (er betreibt ein Wasserlabor): steigender Nitratgehalt --> pH, KH sinken.
Also habe ich heute mal in den heimischen Becken gemessen
Üblicherweise wechsele ich einmal die Woche 40-50% Wasser oder alle 2 Wochen 60-70%, in Aufzuchtbecken mit viel Fütterung öfter und mehr. Beim WW salze ich mit Natriumhydrogenkarbonat auf und komme so auf einen pH zw. 8 und 8,5 (8,25) und eine KH von 14-15.
Diesmal sind 2 Wochen seit dem letzten Wasserwechsel vergangen und so habe ich in 4 Becken vor und nach dem Wasserwechsel pH, KH und Nitrat gemessen. Zwar nicht, wie Andreas, mit präzisen Messgeräten sondern nur mit 'unscharfen' Tröpfchentests von sera und jbl, aber die Ergebnisse waren verblüffend.
- Becken 1, 150x50x50, besetzt mit 1/7 Lamprologus callipterus, 9 Telmatochromis vittatus Shell, und ein paar kleinen altos
- Becken 2, 75x75x50, besetzt mit 7 Neolamprologus gracilis, 5 Julidochromis transcriptus und vielen Zwergen
- Becken 3, 180x70x60 (Wohnzimmer), besetzt mit 4/2/11 Cardiopharynx, 6 X. spilopterus, 15 Paracyprichromis brieni, 6 Altos
- Becken 4, 150x60x40, besetzt mit 1 Pärchen Xentotilapia papilio Tembwe + Nachwuchs
Ergebnisse
* Nitratwerte nach Wasserwechsel (65%) berechnet.
Fazit
Der von Andreas beschriebene Effekt ist sichtbar: Nitrat steigt, abhängig von der Besatzdichte um Werte zw. 2 und 5 mg pro Tag, pH und KH sinken, allerdings nur moderat in unkritische Bereiche. Am stärksten im Wohnzimmerbecken mit hohem Besatz und viel Fütterung, am geringsten im Tembwe Becken. Macht Sinn.