Ich möchte hier etwas die Entwicklung meines Beckens „Waco Bay“ dokumentieren und die Erfahrungen mit euch teilen.
Den Umstieg von Südamerika auf Ostafrika habe ich in den anderen Threads schon erzählt und auch schon etwas zur Technik gesagt.
und Besatz eines 3600l Tanganjikabeckens - Besatzvorschläge / Besatzfragen - Tanganjika Cichliden Forum
Hier nur nochmal, für diejenigen die diese Threads nicht verfolgt haben, die Maße, 300x150x80cm, und zwei angehängte Bilder, die den grundsätzlichen Aufbau und den aktuellen Stand bei Inbetriebnahme zeigen.
Was ist die Intension hinter dem Becken:
Ich möchte gerne eine Lebensgemeinschaft erstellen, die hier ihr möglichst natürliches Verhalten zeigen kann. Der Tanganjikasee bietet eine Fülle an Arten, die ihre ganz eigenen Verhaltensweisen haben. Felsbewohner, Sandbewohner, Freiwasser, Offenlaicher, Maulbrüter…! Idealvorstellung wäre eine Zusammensetzung an Arten, von denen jede ihr Verhalten im Zusammenspiel mit den anderen Arten ausleben kann.
Auch wenn der See teilweise eine sehr hohe Individuendichte aufweist, glaube ich doch, dass wir in unseren Becken oft zu viele Tiere auf begrenztem Raum halten.
Von daher würde ich versuchen wollen nicht zu hoch mit der Besatzdichte zugehen.
Mal sehen ob das funktioniert!
Am 31.03.26 wurde das Becken nun bezogen.
Erste Bewohner waren 4 N. multifasciatus und 7 N. caudopunctatus(eigentlich 8, aber Nr8 ist nach dem Einsetzen spurlos verschwunden!?!?).
Wie schon im anderen Thread erwähnt wurden den beiden Arten ihre Bereiche im Becken mit der „Rohrmethode“ zugewiesen.
Von diesem Zeitpunkt an haben die Multis ihre Schneckenhäuser bezogen.
Ich habe die Anzahl der Schneckenhäuser im Schneckenfeld bewusst noch einmal etwas reduziert. Hintergedanke dabei war, diese beim Einzug der weiteren Multis wieder einzubringen und dadurch die örtlichen Gegebenheiten nochmal etwas umzustrukturieren. Ziel soll eine Durchmischung der beiden „Stämme“ sein. Im Idealfall bilden alle zusammen eine Kolonie im großen Schneckenfeld.
Die Caudos haben sich die ersten 3 Tage nur im linken Beckenbereich aufgehalten. Interessanterweise nutzen sie nahezu nie die gebotenen Unterstände/Höhlen/Spalten sondern halten sich immer über oder mit einem Abstand von 10-20cm zu den Steinen und Cryptocorinen auf.
Die Beckenhöhe wurde anfangs auch nicht ausgenutzt. Sie hielten sich maximal 30cm über dem Boden auf. Jetzt klettert schon hin und wieder einer den Berg rauf!
Vor der großen Sandfläche mit den wenigen Steinen hatten sie großen Respekt. Erst nach ca. 4Tagen hat es der erste gewagt und ist in einem „Vollsprint“ über die Sandfläche zum anderen Felsenaufbau geschwommen.
Grundsätzlich kamen mir die 7 kleinen Caudos (3-4cm) vor wie ein Schwarm Feldsperlinge. Sie sind eigentlich anfangs immer zusammen unterwegs gewesen, aber es gab dauernd Gezanke!
Jetzt nach einer Woche sieht die Situation schon etwas anders aus. Die Sandfläche wird mittlerweile von allen überschwommen und die Kollegen hängen auch nicht mehr ganz so als Schwarm zusammen. Alles etwas lockerer.
Das Gezanke ist noch mehr geworden. Teilweise schießt einer der Kollegen über eine Strecke von fast 2 Meter weil er am anderen Ende einen Caudo entdeckt, der ihm nicht gefällt! Dann stehen sich die kleinen Punks kurz mit ihrem aufgestellten Iro gegenüber und drohen einander, bis einer davonschießt.
Interessant ist zu sehen, wie das Auftauchen der Caudos auf der rechten Beckenseite die Multis beeinflusst hat.
Anfangs wurde immer ein Multi von den anderen 3 etwas abgedrängt. Weg von den Schnecken hin zum Geröll. Er hatte sich schon damit abgefunden und dort sein Revier bezogen. Seit nun aber die Caudos hier immer wieder mal vorbeischauen darf er wieder zu den anderen drei Multis und dann verteidigen sie zu viert die Schnecken.
Die Vier schrecken da vor nichts zurück. Teilweise fahren sie zu viert mitten in so ein Drohgehabe zwischen zwei Caudos, dass die nur so auseinanderspritzen!
So das war es für den Moment.
Ich bin sehr gespannt, wie sich die Dynamik im Becken verändert, wenn weitere, vermeintlich gefährliche(?) Arte, als Mitbewohner einziehen. Nicht das ein N. leleupi, J. transcriptus oder einer der Sandcichliden ihnen wirklich schaden will/kann, aber auch die Caudos müssen dann erst wieder ausloten was geht und was nicht!
Ach eines fällt mir noch ein!
Ich habe das Becken ja schon lange mit dem Wasserstand von 80cm, aber ich musste mir bisher noch nie wirklich Gedanken über die Fütterung machen.
Alle bisherigen Bewohner sind sofort, wenn sie bemerkt haben, dass es Futter gibt in die Beckenmitte geschwommen und haben gewartet, was es gibt.
Bei den Multis ist das anders. Die stehen, nach der Strömung ausgerichtet, immer so 2 bis 10cm über ihren Schneckenhäusern.
Tja, nur kommt da kein Futter hin, wenn man es oben reinschmeißt. Die Caudos hauen sich den Bauch voll mit allem, was beginnt abzusinken und zu schweben. Aber bei den Multis kam anfangs nichts an.
Ich habe mir mittlerweile aus einem Trichter, Rohr und 90°Bogen eine Fütterungseinrichtung gebaut. Jetzt kann ich die Öffnung des Bogens in der Höhe der Multis mit einem Abstand von 20cm vor ihnen platzieren und dann driften die Futterstücke langsam auf sie zu!
Jetzt ist Schluss!
Gruß
Waco